• Wirtschaftliche Entwicklung im Kanton St.Gallen

Wirtschaftliche Entwicklung im Kanton St.Gallen

20.08.2021

HEV Kanton St.Gallen: Studie zum Wohnstandort Kanton St.Gallen - Wie steht es um die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Kanton? Wo sind die Stärken, wo die Schwächen in unserer Wirtschaftsstruktur? Karl Güntzel, Kantonsrat und GL-Mitglied des HEV Kanton St.Gallen, gibt Einblick in einen weiteren wichtigen Abschnitt der Wohnortstudie des Kantonalverbands.

In einer pro-Kopf-Betrachtung lag der Kanton St.Gallen im interkantonalen Vergleich, gemessen am nominalen Bruttoinlandprodukt (BIP) im Jahr 2017 auf dem 9. Platz. Zwischen 2010 und 2017 war das nominale Bruttoinlandprodukt im Kanton St.Gallen nominal um rund 8.5 % und real um 11.2 % gewachsen. Mit dieser realen Wachstumsrate von 11.2 % liegt der Kanton St.Gallen in einer interkantonalen Betrachtung auf dem 17. Platz. In einer pro-Kopf-Betrachtung liegt der Kanton St.Gallen derweil auf dem 12. Platz und somit im Mittelfeld der Kantone (siehe Grafik). Die Tatsache, dass das Wachstum pro Kopf unterhalb des kantonalen realen BIP-Wachstums lag, zeigt, dass ein Teil des BIP-Wachstums auf einen Anstieg der Bevölkerung bzw. der Erwerbstätigen zurückzuführen ist und nicht allein auf Produktivitätsgewinnen beruht.

Starker Industriestandort, unterdurchschnittliche wissensbasierte Branchen
Im Vergleich zu 2011 wiesen 2017 alle St.Galler Regionen einen Anstieg bei den Arbeitsplätzen (gemessen in Vollzeitäquivalenten (VZA)) auf. Das höchste Wachstum mit einem Anstieg der VZA um 6.3 % verzeichnete der Wahlkreis Werdenberg, gefolgt vom Wahlkreis St.Gallen mit einem Plus von 4.3 %. Demgegenüber wies der Wahlkreis Rorschach nur geringfügig mehr Arbeitsplätze (VZA) auf als 2011. Auf Ebene Kanton ergab sich für diese Zeitspanne ein Anstieg der Anzahl VZA um rund 3.8 %, was unter dem schweizweiten Niveau von rund 5 % war. Der Kanton St.Gallen weist nach wie vor eine stark industriell geprägte Wirtschaftsstruktur auf. So liegt der Anteil der Vollzeitäquivalente (VZA) im 2. Sektor im Kanton St.Gallen mit rund 34 % knapp 10 Prozentpunkte höher als in der Gesamtschweiz. In den Wahlkreisen Rheintal, Werdenberg und Toggenburg ist rund die Hälfte der VZA im sekundären Sektor zu verorten, während im Wahlkreis St.Gallen der Anteil leicht unter dem schweizweiten Niveau liegt. Gleichzeitig verfügt der Kanton und insbesondere die Wahlkreise Rorschach, Rheintal und Werdenberg über eine substanzielle Zahl von Arbeitsplätzen in der Spitzenindustrie. In Bezug auf technologieintensive Branchen schneidet der Kanton St.Gallen im Vergleich zur Schweiz gut ab. Im Bereich wissensintensive Branchen liegt der kantonale Anteil jedoch unter dem Schweizer Wert. Langfristig ist in allen St.Galler Regionen von einer steigenden Zahl an Arbeitsplätzen auszugehen. Dabei setzt sich der Strukturwandel fort: Das Wachstum der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor ist in allen Raumeinheiten voraussichtlich höher als jenes im Industriesektor. Im zweiten Sektor werden einzig in den Wahlkreisen Sarganserland und Toggenburg sowie im Churer Rheintal positive Wachstumsraten erwartet.

Arbeitskräftepotential auch aus dem Ausland
Die Wirtschaft der Ostschweiz und insbesondere auch jene im Kanton St.Gallen ist in erheblichem Mass auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Allein im Kanton St.Gallen pendelten im Jahr 2018 über 10 000 Personen aus dem Ausland an ihren Arbeitsplatz. Auf kleinräumiger Ebene ist die Zahl der Grenzgänger erwartungsgemäss von der Nähe zur Grenze abhängig. Die Wahlkreise St.Gallen, Rheintal und Werdenberg weisen deutlich höhere Grenzgängerzahlen auf als die Wahlkreise See-Gaster, Toggenburg und Wil. Vor dem Hintergrund des ansprechenden Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre ist auch die Zahl der Grenzgänger in allen Regionen gewachsen. Insbesondere in den grenznahen Wahlkreisen hat die Anzahl der Grenzgänger aus Deutschland stark zugenommen. Die hohen Wachstumsraten im Toggenburg für Grenzgänger aus Liechtenstein wie auch in See-Gaster für Grenzgänger aus Österreich können durch einen tiefen Basiswert erklärt werden. Die absoluten Zahlen sind noch immer auf vernachlässigbaren Niveaus.

Fazit
Die Veränderung in der pro-Kopf-Betrachtung innert vier Jahren von Platz 9 auf Platz 12 im schweizerischen Vergleich ist nicht dramatisch, aber doch ein Schritt in die falsche Richtung. Weil zudem die periphere Lage unseres Kantons in der Schweiz nicht verändert werden kann, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehören die Szenarien für den kantonalen Richtplan. Diesbezüglich muss die Regierung handeln!

Studie Wohnstandort Kanton St.Gallen: www.hev-sg.ch/studie-wohnstandort/

Karl Güntzel
Kantonsrat, GL-Mitglied des HEV Kanton St.Gallen